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Bruno
Gironcoli |
Ich habe Maria Bußmann
hier in der Bildhauerschule das erste Mal vor rund zehn Jahren getroffen
und sie zeigte mir ein paar skulpturale Arbeiten, deren Syntax mir wirklich
interessant erschien. Es waren dies aus einfachsten Materialsorten kombinierte
und in ungewöhnlichen Materialqualitäten gefertigte Ausdrucksversuche
im Mini-Themenbereich. Es waren da zu finden: ein kleines Bett für
eine Maus, eben groß genug für eine Zimmermaus, der menschlichen
Vorstellung, wie ein Bett auszusehen hat, trefflich abgerungen, aber aus
dünnen Messingröhrchen gebogen. Das Plumeau für die Maus
waren eingenähte Papier-Daunen. Das Bett der Maus wurde übertroffen
von einem in normaler Löt-Arbeit gefertigten Fußballstadion.
Das Stadion wurde übertroffen von einem Wettkampf-Schwimmbecken mit
vier Bahnen und aus Papier und Pappdeckel ausgeschnittenen rosarot angestrichenen
Kampfschwimmern, jeder seine Bahn ziehend.
Alles Arbeiten, die von so interessanter Materialwahl geprägt ihr formales
Dasein einnahmen, dass man den Eindruck absoluter Selbständigkeit der
Objekte hat.
Auf meine Frage, ob denn solche Arbeiten technische Zeichnungen voraussetzten,
habe ich später von Bußmann Zeichnungen zu sehen bekommen, die
wohl ganz interessant waren, doch keine Werksunterlage zu den bildhauerischen
Arbeiten abgegeben haben.
Die Qualität dieser Blätter war ihre selbständige grafische
Ausführung.
Es gab in ihnen zwei Formen einer grafischen Strategie: einmal zeigte sich
Bußmann als die Sucherin ihrer persönlichen Daten und Qualitäten,
in der zeichnerischen Gattung von Cartoons in weiblicher Ausschmückung,
die zweite Art, ihre Zeichnungen zu gestalten, war eine strukturschaffende
Zeichenform, eine Strukturqualität neben eine andere Strukturqualität
stellend, entweder in formaler Zwietracht oder Eintracht. In dieser Form
der strategisch verwendeten Schraffierung entstanden Zeichnungen (Formaufgaben)
recht weit reichender Formgebungen. Und wo die Blätter in dieser Form-Aufgabe
zur Ausführung kamen, schien mir deren Struktur an sich bereits genügend
zeichnerische Qualität zu bergen, die – würde sie für
sich allein genommen –
ein Werk schaffen könnte, das malerisch und grafisch sich selbst trägt.
Leider war damals, vor zehn Jahren, Maria Bußmann nicht der Meinung,
dass solches genügen könnte, ihre Selbstdarstellung als ein Abzeichnen
in Schablone innerhalb der Schablonenwelt waren ihr da zu wichtig.
In neuerlich von ihr gestalteten grafischen Blättern konnte ich plötzlich
jene Symbiose, von der ich träumte, eine Verbindung von Strukturelementen
mit persönlichen Daten und Ausdruckswünschen sehen. Diese Blätter,
die sie aus New York mitbrachte, waren differenziert, sensibel, reich gestaltet
– gespeist durch persönliche Mythologie, durch Philosophisches
und diese Daten waren grafisch erfasste und strukturell gefiltert wiedergegeben.
Eine Verbindung war hergestellt. Diese Strukturen werden ja hochinteressant
– wenn es Maria Bußmann gelingt, Persönliches in sie hineinzuschaukeln,
dann hat sie gewonnen.
Bruno Gironcoli, Bildhauer, Leiter der Bildhauerschule der Akademie
der bildenden Künste in Wien von 1977 - 2004
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